Lust und Intimität in der Beziehung: Warum ich ein Buch für Frauen geschrieben habe
Keine Lust auf Sex, Kopfkino statt Nähe, das Gefühl, nicht begehrt zu werden: Frauen tragen bei Lust und Intimität oft eine Schwere, über die kaum jemand spricht. Ich bin Corinna Jacobs und habe über 25 Jahre Frauen zugehört. Daraus ist mein Buch „Von der Einkaufsliste zur Ekstase“ entstanden, ein freches, ehrliches Buch über Lust, Intimität und den Lustkompass für Frauen und Paare.
Keine Lust auf Sex? Wenn Frauen sich fragen: Stimmt etwas mit mir nicht?
Viele Frauen fühlen sich beim Sex nicht begehrt oder nicht wertgeschätzt. Manche fühlen sich irgendwann nur noch wie auf dem Abstellgleis, nicht gesehen und nicht wirklich abgeholt. Andere sind froh, wenn es endlich vorbei ist. Wieder andere denken, sie machen etwas falsch oder machen es einfach nicht richtig. Und manche glauben ihrem Partner, wenn er ihnen sagt, sie seien frigide, unfähig oder würden sich nur anstellen.
Solche Gedanken und Erfahrungen begegnen mir seit vielen Jahren in Gesprächen mit Frauen. Genau für diese Frauen habe ich „Von der Einkaufsliste zur Ekstase“ geschrieben. Und genauso für Frauen und Paare, die mit ihrer Intimität zufrieden sind, aber neugierig darauf, ob es noch mehr zu entdecken gibt.
Warum dieses Buch entstanden ist: Was Frauen mir über 25 Jahre anvertraut haben
Seit ich 20 bin, arbeite ich im medizinischen Umfeld. Das sind inzwischen über 25 Jahre. In dieser Zeit durfte ich etwas erleben, das mich tief berührt hat: Frauen haben mir ihr Herz geöffnet. Kolleginnen, Patientinnen, Freundinnen von Freundinnen, sehr oft sogar Fremde. Sie haben mir Dinge anvertraut, die sie sonst kaum jemandem erzählen. Dafür bin ich bis heute von Herzen dankbar.
Nicht begehrt, nicht wertgeschätzt: Was Intimität für viele Frauen belastend macht
Vieles von dem, was ich gehört habe, hat mich lange begleitet. Frauen erzählten mir, dass sie sich beim Sex nicht begehrt und nicht wertgeschätzt fühlen. Dass Worte ihres Partners sie verletzt haben und bis heute nachwirken. Dass sie sexuelle Begegnungen nur noch über sich ergehen lassen und erleichtert sind, wenn sie vorbei sind. Und manchmal die andere Seite der Medaille: Ihnen wurde eingeredet, sie taugten nichts, seien unfähig oder frigide.
Ich habe gespürt, wie schwer das auf ihnen lag. Und ich war unglaublich stolz auf jede Frau, die den Mut hatte, sich mir anzuvertrauen. Am liebsten hätte ich jede einzelne von ihnen ganz fest gedrückt und gesagt: Alles wird gut. Und du bist eine super tapfere, unglaubliche Wahnsinnsfrau.
Deshalb wollte ich irgendwann etwas erschaffen, das Frauen stärkt, ohne ihnen das Gefühl zu geben, sie müssten sich ändern oder würden etwas falsch machen.
Der Lustkompass: Wie Paare herausfinden, was Lust fördert und was sie hemmt
Vor einigen Jahren las ich den Bericht einer Frau. Sie erzählte, wie sie gemeinsam mit ihrem Partner herausgefunden hatte, welche Wörter ihre Lust fördern und welche sie hemmen. Sie gab ihre Erfahrung an Freundinnen weiter. Die probierten es ebenfalls aus und erzählten es weiter. Diesen Bericht habe ich später nie wiedergefunden. Aber die Idee ist geblieben.
Daniel und ich hatten schon eine wahnsinnig erfüllte Intimität. Wir haben diese Anregung deshalb nicht ausprobiert, weil bei uns irgendetwas repariert werden musste. Wir waren einfach neugierig. Mit kleinen Kindern und einem ziemlich vollen Alltag ist das Zeitfenster für Zweisamkeit ohnehin nicht immer riesig. Aber neugierig waren wir trotzdem. Und wir waren überrascht: Selbst wenn es schon gut ist, gibt es noch unglaublich viel zu entdecken.
Aus dieser Anregung, unseren eigenen Erfahrungen und den vielen Gesprächen mit Frauen ist mein Lustkompass entstanden. Er ist das Herzstück meines Buches.
Was ist der Lustkompass?
Der Lustkompass ist kein Test. Es gibt keine Punktzahl, kein Richtig und kein Falsch. Und ganz bestimmt kein Ergebnis, bei dem am Ende steht: Herzlichen Glückwunsch, du bist jetzt offiziell gut im Bett. Darum geht es überhaupt nicht.
Es geht darum, herauszufinden, was eure Wahrheit ist. Welche Worte machen dich an? Welche sind ein komplettes No Go? Was brauchst du, um Lust zu fühlen? Was möchtest du häufiger erleben? Was möchtest du ausprobieren? Was möchtest du vielleicht überhaupt nicht mehr? Und dieselben Fragen gelten auch für deinen Partner. Nicht das, was andere sagen, was ihr mögen solltet, sondern das, was ihr tatsächlich mögt.
Lust und Einkaufsliste: Wenn der Kopf beim Sex schon beim nächsten Einkauf ist
Der Titel meines Buches ist nicht zufällig entstanden. Vielleicht kennst du das. Du liegst da, dein Partner ist hochmotiviert, und während er wie ein Pony auf Speed auf dir rumhüpft, denkst du: Haben wir noch Milch? Was essen wir morgen? Wo ist eigentlich dieser Zettel für die Schule? Und habe ich den Müll rausgebracht?
Während er vielleicht überzeugt ist, gerade die Supernova unter den Liebesakten abzufeuern, bist du gedanklich längst beim nächsten Einkauf. Willkommen im echten Leben. Und vielleicht denkst du irgendwann auch: Ganz ehrlich, mein Mann sucht meinen G Punkt mit einem Navi und fährt trotzdem noch vorbei.
Spätestens dann darf doch mal eine andere Frage erlaubt sein: Warum soll eigentlich mit dir etwas nicht stimmen? Vielleicht hast du nicht grundsätzlich keine Lust. Vielleicht hast du einfach keine Lust auf dieses eine Drehbuch. Auf Sex, bei dem dein Kopf schon drei Räume weiter ist, während dein Körper noch überlegt, ob er überhaupt beteiligt ist.
Und genau da möchte ich mit meinem Buch hin. Nicht zu einem neuen Pflichtprogramm. Nicht zum Thermomix fürs Schlafzimmer. Sondern zu der Frage: Was wollt ihr eigentlich miteinander erschaffen?
Warum dein Partner unbedingt mit ins Boot darf
Mir war ganz wichtig, dass dieses Buch nicht nur bei dir endet. Denn es geht nicht darum, dass einer von euch etwas lernen muss, damit es endlich „richtig“ läuft. Es geht auch nicht darum, herauszufinden, wer bisher was falsch gemacht hat. Es geht darum, dass ihr beide gemeinsam etwas Neues erschafft: ein neues Miteinander, eure eigene Sprache, eure eigenen Wünsche, eure eigene Nähe, eure eigene Lust. Eure ganz eigene Welt.
Ihr müsst nicht länger in irgendeinem alten Drehbuch mitspielen. Ihr könnt eures selbst schreiben, mit euren Worten, eurem Humor, euren Ideen und euren Grenzen. Und wenn etwas davon komplett bescheuert ist, dann fliegt es eben raus.
Deshalb kommt auch dein Partner im Buch vor. Nicht als Problem. Nicht als jemand, der etwas nachholen oder kapieren muss. Sondern als Teil von euch und von dem, was ihr gemeinsam neu erschaffen könnt. Vielleicht stellt ihr dabei fest: Das hier fühlt sich richtig gut an. Das wollen wir mehr. Das hier wollen wir anders. Und das da kann bitte für immer aus unserem Schlafzimmer verschwinden.
Es geht nicht darum, etwas zu reparieren. Es geht darum, etwas Eigenes entstehen zu lassen. Eures.
Porno in der Beziehung: Was ist eigentlich euer Normal?
Viele Frauen hören irgendwann: „Das ist doch normal. Männer schauen eben Pornos.“ Und vielleicht denkst du dann: Ich mag das nicht, aber ich muss da wohl durch, weil das ja jeder hat.
Aber was wäre, wenn das, was andere für normal halten, gar nicht euer Normal sein muss? Was wäre, wenn ein erfüllter Mann gar keinen Appetit von woanders braucht? Was wäre, wenn ihr einander genug seid? Und was wäre, wenn fremde Bilder und fremde sexuelle Drehbücher eurer Intimität sogar schaden?
Vielleicht geht es gar nicht darum, was angeblich normal ist. Vielleicht geht es darum, herauszufinden: Was ist eigentlich unser Normal? Denn echte Lust ist für mich kein Film. Echte Lust ist euer selbstgeschriebenes Drehbuch, mit euren Worten, eurem Humor und eurem echten Leben.
Ein Buch über Lust für Frauen, das frech und humorvoll sein darf
Ich weiß, wie viel Scham, Unsicherheit und Enttäuschung bei diesem Thema für viele Frauen mitschwingt. Ein Ratgeber, der erklärt, was man besser machen soll, hätte genau das verstärkt. Deshalb ist dieses Buch kein Ratgeber. Und ich liebe Spiegelkabinette. Vor allem die, in denen alte Wahrheiten plötzlich ganz schön schräg aussehen und man merkt: Vielleicht war das ja gar nicht meine Wahrheit.
Genau so ist dieses Buch gedacht. Nicht als erhobener Zeigefinger und nicht als Anleitung dafür, wie du endlich alles richtig machst, sondern als Raum zum Wiedererkennen, Lachen, Hinterfragen und Entdecken.
Ich habe mich deshalb für eine direkte, freche und manchmal bewusst provokante Sprache entschieden. Mir ist unglaublich wichtig, dem schweren Thema durch Humor die Schwere zu nehmen. Du darfst lachen, dich wiedererkennen, vielleicht denken: Oh mein Gott, genau so ist es bei uns. Und neugierig werden, ohne dich beschämt oder kritisiert zu fühlen.
Denn ganz ehrlich: Wenn eine Frau ohnehin schon glaubt, sie mache etwas falsch, braucht sie nicht noch ein Buch, das ihr 27 weitere Möglichkeiten liefert, wie sie sich optimieren kann. Nein danke.
Scham und Schwere loslassen: Eine Nachricht, die ich nie vergessen werde
Vor Jahren habe ich auf Facebook ein persönliches Video veröffentlicht, über Beziehung, über erfüllte Partnerschaft und darüber, wie sich das Gegenteil davon anfühlen kann. Danach schrieb mir eine Frau, die ich überhaupt nicht kannte. Durch meine Erzählung hatte sie zum ersten Mal erkannt, wie belastend ihre eigene Intimität für sie war. Und sie bedankte sich dafür.
Da wurde mir noch einmal klar: Dieses schwere Thema braucht eine andere Herangehensweise. Als Allererstes müssen Schwere und Scham weniger Raum bekommen, damit der Blick überhaupt wieder frei werden kann. Es braucht keine Bewertung von außen. Manchmal reicht schon ein neuer Blickwinkel, ein Spiegelkabinett, in dem alte Wahrheiten plötzlich anders aussehen. Und plötzlich entsteht Raum für etwas Neues.
Was kann dir dieses Buch geben?
Vielleicht erkennst du dich auf einer Seite wieder und denkst: Ach du Scheiße, genau das bin ich. Vielleicht werden Selbstzweifel leiser, die du schon viel zu lange mit dir herumträgst. Vielleicht merkst du: Moment mal, vielleicht bin ich genau richtig, so wie ich bin. Vielleicht fallen Dinge von dir ab, die du lange mitgeschleppt hast. Vielleicht kannst du plötzlich über etwas lachen, das vorher schwer war.
Vielleicht entstehen Gespräche, die vorher nie stattgefunden haben. Vielleicht wird aus Schweigen Neugier, aus Unsicherheit Spiel, aus Routine etwas Neues. Und vielleicht passiert noch etwas viel Schöneres: Du hast wieder Spaß. Am Flirten. Am Entdecken. An deinem Körper. An ihm. An euch.
Vielleicht wird aus „Oh Gott, hoffentlich will er heute nicht“ irgendwann wieder ein „Na komm her, du kleiner Lümmel.“ Nicht weil du gelernt hast, besser zu funktionieren, sondern weil ihr gemeinsam etwas erschaffen habt, das wirklich eures ist.
Und vielleicht gehört ihr sowieso zu den Paaren, die mit ihrer Intimität zufrieden sind. Dann kann dieses Buch etwas ganz anderes sein: eine Einladung, gemeinsam festzustellen: Da geht ja noch richtig viel. Nicht besser, nicht perfekter, nicht mehr Leistung. Einfach mehr entdecken. Mehr von euch.
Für wen ist das Buch? Für Frauen, Männer und Paare
Für Frauen, die sich beim Sex nicht gesehen, nicht begehrt oder nicht wertgeschätzt fühlen. Für Frauen, die manchmal denken: Stimmt etwas mit mir nicht? Für Frauen, denen irgendwann eingeredet wurde, sie seien nicht richtig. Für Frauen, die lieben, geben, tragen und trotzdem das Gefühl haben, dass etwas fehlt.
Aber genauso für Frauen und Paare, die mit ihrer Intimität zufrieden sind und neugierig darauf, ob es noch mehr zu entdecken gibt. Und für Männer, die gemeinsam mit ihrer Partnerin etwas Eigenes erschaffen wollen.
Es geht nicht um Leistung, nicht um Perfektion und nicht darum, einem Ideal hinterherzurennen. Es geht um Offenheit, Vertrauen, Freude und Neugier. Und darum, dass eure Intimität nicht so aussehen muss wie die von irgendjemand anderem. Sie darf eure sein.
Was ich mir wünsche, wenn du das Buch zuklappst
Wenn du „Von der Einkaufsliste zur Ekstase“ zuklappst, wünsche ich mir nicht, dass du denkst: Jetzt weiß ich endlich, wie ich es richtig machen muss. Im Gegenteil. Ich wünsche mir, dass vielleicht ein paar Selbstzweifel leiser geworden sind. Dass du weißt, dass dein Nein genauso wertvoll ist wie dein Ja. Dass du nicht mehr automatisch glaubst, mit dir stimme etwas nicht, nur weil deine Lust anders aussieht als erwartet. Und dass ihr beide Lust bekommen habt, eure eigene Welt zu erschaffen.
Denn deine Lust gehört dir. Vielleicht ist sie gerade leise. Vielleicht laut. Vielleicht neugierig. Vielleicht irgendwo zwischen Kindern, Arbeit, Einkaufsliste, Milchflecken auf dem Shirt und einem Schlüppi, der innerlich längst die Kündigung eingereicht hat. Aber sie darf genau so sein, wie sie gerade ist. Du bist genauso richtig, wie du bist. Und du bist nicht allein.
Vielleicht klappst du das Buch am Ende tatsächlich mit einem Grinsen zu. Vielleicht schaut dein Mann dann zu dir rüber und fragt: „Was hast du da eigentlich die ganze Zeit gelesen?“ Dann sag einfach: „Bildung. Mit Nebenwirkungen.“
Häufige Fragen zum Buch
Ist „Von der Einkaufsliste zur Ekstase“ ein Ratgeber?
Nein. Das Buch erklärt nicht, was du besser machen sollst. Es zeigt dir mit Humor, wie es vielen Frauen geht, damit du dich wiedererkennen kannst.
Für wen ist das Buch gedacht?
Für Frauen und Paare, die ihre Intimität neu entdecken möchten, und auch für Männer, die ihre Partnerin besser verstehen wollen.
Was ist der Lustkompass?
Der Lustkompass ist das Herzstück des Buches. Mit ihm können Frauen gemeinsam mit ihrem Partner eigene Wünsche, Bedürfnisse, Grenzen und Möglichkeiten entdecken.
Warum ist das Buch so frech und humorvoll?
Weil Humor dem schweren Thema die Schwere nimmt. Du darfst lachen und dich wiedererkennen, ohne dich beschämt oder kritisiert zu fühlen.
Corinna Jacobs
„Von der Einkaufsliste zur Ekstase“, ein Buch von Corinna Jacobs im Jacobs Divine Verlag